11/12/2012

Der demographische Wandel

Unter dem Begriff „demographischer Wandel“ versteht man die Veränderungen in der Altersstruktur einer Bevölkerung. Derartige Veränderungen beruhen auf den Faktoren Geburtenrate (Fertilität), Lebenserwartung und Wanderungssaldo.

 

In Österreich und Deutschland ergibt sich der Wandel in der demographischen Entwicklung vor allem durch die niedrigeren Geburtenzahlen, die gestiegene Lebenserwartung sowie den Einflüssen durch die zunehmende Ein- und Auswanderung. Bezogen auf Deutschland hat sich die Lebenserwartung seit 1871 nahezu etwa verdoppelt. Diese erfreuliche Tatsache wird aber immer wieder fälschlicherweise alleine den Errungenschaften der Medizin zugesprochen. Mein Ziel ist es, mit diesem Beitrag alle Umstände ein wenig genauer zu beschreiben.

 

Selbstverständlich verdanken wir der medizinischen Versorgung viel, trotz allem sollten die anderen relevanten Faktoren durchaus Erwähnung finden. Gerade in Bezug auf die Säuglingssterblichkeit waren vor allem die verbesserten Lebensbedingungen (ausreichende Nahrung und sauberes Wasser) für einen Rückgang verantwortlich.

 Säuglingssterblichkeit

Quelle: Epidemiologie für Dummies, Seite 32

Anhand der Graphik ist auch ersichtlich, dass die Säuglingssterblichkeit bereits lange vor der Einfuhr der medizinischen Errungenschaften, wie beispielsweise Antibiotika-Gaben oder den Impfprogrammen sank. Negativ auf die Säuglingssterblichkeit hat sich der zweite Weltkrieg ausgewirkt. In dieser Zeit gab es Hunger, eine schlechtere medizinische Versorgung sowie Todesfälle durch Bombenangriffe und Flucht. Die Säuglingssterblichkeit gibt somit Auskunft darüber, wie die Situation in einer Gesellschaft ist.

In den vergangen 20 Jahren sank die Sterblichkeit auf einen sehr niedrigen Wert. Dabei verdanken wir aber nur die jüngsten Verbesserungen der Hochleistungsmedizin, beispielsweise bei der Betreuung und Versorgung frühgeborener Säuglinge.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich ein paar Zahlen nennen. Auf dieser Welt gibt es noch immer Länder, in denen die Säuglingssterblichkeit nahezu noch immer so hoch ist, wie sie es um 1900 in Deutschland war. Es sind dies Länder wie Afghanistan (165/1000) oder Liberia (159/1000). Die hohen Säuglingssterblichkeitsraten wären vermeidbar, wenn es bessere Lebensbedingungen und keine Mangelernährung mehr geben würde, denn diese führen vielfach zu Durchfall und Lungenentzündungen mit tödlichem Ausgang. Als weiteres Gesundheitsproblem kommen in den südlichen Ländern der Sahara Malaria und Aids hinzu.

Wir, die in einer „modernen Industriegesellschaft“ leben, haben einen „gesundheitlichen Übergang“ durchlaufen. Nur noch wenige Menschen sterben an Infektionskrankheiten, immer mehr an nicht-übertragbaren, chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Die Gründe dafür sind:

  • Ein zu komfortabler Lebensstil – zu kalorienreiche Nahrung, Zigarettenkonsum, Alkohol und wenig Bewegung.
  • Die nicht-übertragbaren, chronischen Krankheiten haben zumeist nicht nur eine Ursache (multifaktoriell), eine Vorbeugung wird daher immer schwieriger.
  • Der Krankheitsverlauf ist nicht mehr nur kurzfristig, sondern dauert zumeist sehr lange (chronisch).
  • Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko bzw. die Häufigkeit, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen.

 

Nach dem Ausflug in den Themenbereich der Säuglingssterblichkeit, kommen wir nun wieder zurück zum demographischen Wandel.

Was sind nun Gründe für die Verringerung der Geburtenzahlen?

Der Rückgang der Gesellschaft basiert auf Veränderungen des generativen Verhaltens (Zeugung von Kindern). Die Ursachen dafür sind aber vielfältig. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive sind es vor allem die Veränderungen der vorherrschenden Gesellschaft, denn durch die fortschreitende Spezialisierung und Rationalisierung wird alles immer mehr an die Bedürfnisse der Erwachsenen angepasst. Eine familiäre Leistung hingegen verliert an Achtung und sozialer Anerkennung. Man geht davon aus, dass Familien die auf die Übernahme der Elternverantwortung verzichten, in der Berufswelt Konkurrenzvorteile haben. Gerade bei Frauen wird das sehr deutlich – Akademikerinnen verzichten zu ca. 45 Prozent auf Kinder.

Nicht immer stehen nur ökonomische Gründe im Vordergrund. Auch aus einem sozialen Blickwinkel lassen sich Gründe finden. Manche Eltern scheuen sich vielfach vor langfristigen Festlegungen und wollen ihre Freiheiten und Wahlmöglichkeiten erhalten. Mittlerweile ist eine Kinderlosigkeit auch durchaus gesellschaftlich vertretbar und akzeptiert.

 

Die Bevölkerungspyramide

Wird eine Bevölkerung nach Alter und Geschlecht gegliedert, so können Alterungsprozesse und die Folgen dramatischer Ereignisse wie beispielsweise Katastrophen oder Kriege erkannt werden.

Sehr gut verdeutlicht wird das in graphischer Form. Hierzu fertigen Demographen eine Alters- oder Bevölkerungspyramide an. In dieser kann die Anzahl der Personen in jeder Altersgruppe oder der prozentuale Anteil der Personen in einer Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung abgelesen werden.

 Bevoelkerungspyramide

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Demografischer_Wandel_in_Deutschland

 

 BevoelkerungspyramideDiagramm

Quelle: http://www.diercke.de/

 

Zur Erklärung:

Die Urnenform: Sie stellt eine schrumpfende und alternde Bevölkerung dar. Gründe dafür können ein Rückgang der Geburten und/oder Auswanderung junger Menschen sein.

 

Pyramidenform: Hier handelt es sich um eine schnell wachsende Bevölkerung mit geringer Kindersterblichkeit aber einer hohen Sterblichkeit im mittleren Alter. Ein solcher Kurvenverlauf findet sich heute beispielsweise in Brasilien und ist mit Deutschland um das Jahr 1910 vergleichbar.

 

Glockenform: Die Bevölkerung ist annähernd stabil – es gibt kaum einen Bevölkerungsrückgang aber auch nur ein geringes Wachstum.

 

Die Demographie kennt aber auch die Pagoden- oder Blattform.

Für weiterführende Informationen zu diesem Thema verweise ich auf die vielfältige Literatur im Internet.

 

Literaturverzeichnis:

Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (2012). Die Ursachen des Demographischen Wandels. http://www.saarland.de

Razum O., Breckenkamp J. & Broska P.( 2012). Epidemiologie für Dummies. Wiley Verlag.

Letzte Änderung am 29/06/2014

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