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Studien, die den Nutzen von Schulungen im Bereich der Gesundheitskompetenz belegen

Heute Morgen saßen in der Straßenbahn mehrere Kinder vor mir und waren damit beschäftigt, ihre Hausaufgaben fertig zu stellen. Sie mussten einen Satz mit „Ich brauche mehr Taschengeld, weil …“ vervollständigen. Eines der Mädchen nannte als mögliche Antwort, weil ich damit den Umgang mit Geld lerne und somit Verantwortung übernehme. Die anderen fanden die Antwort gut, gedanklich stimmte ich dem zu. Warum gibt es kein Beispiel mit, „Ich bleibe gesund, weil …?“. Was würden die Kinder wohl hier ihrer Lehrerin schreiben?

 

Diesen Einstieg möchte ich nützen und ein paar aktuelle Studienergebnisse zusammenfassen. Die Studien zeigen auf, welchen nachhaltigen Nutzen Schulungsmaßnahmen im Bereich der Gesundheitskompetenz haben. Bereits in anderen Beiträgen habe ich erwähnt, dass ein hochwertiges Informationsangebot alle Alternativen aufzeigen soll, daher möchte ich im Sinne der Vollständigkeit darauf hinweisen, dass es sicher Studien geben wird, die keinen nachhaltigen Nutzen von Schulungen gefunden haben.

 

Studie 1: Der Einfluss von Gesundheitskompetenz auf das Ergebnis und die Effektivität von aufklärerischen/bildnerischen Maßnahmen bei Patienten mit chronischen Erkrankungen.

Die Studie untersucht den Einfluss von Maßnahmen zu Steigerung der Gesundheitskompetenz (Vermittlung von Wissen) bei Patienten mit Erkrankungen der Koronararterien.

 

Nach einer zufälligen Aufteilung der Patienten in zwei Gruppen erhielt eine Gruppe eine DVD und ein gedrucktes Buch, die andere nur das Buch. Gemessen wurden klinische Parameter wie Gewicht und Blutdruck sowie das entsprechende Gesundheitsverhalten (Einhaltung von Diäten, Rauchverhalten und Übungen). Jene Personen die zum Buch eine DVD erhielten, konnten wesentlich bessere Ergebnisse in Bezug auf die Übungen und die Gewichtsreduktion erzielen. Zudem haben Personen mit einer geringeren Gesundheitskompetenz mehr profitiert als jene Personen, die bereits zu Beginn ein höheres Basiswissen hatten. Zusammenfassend hält das Studienpapier fest, dass aufklärerische Maßnahmen, also die Bereitstellung von relevantem Wissen bei Patienten mit Erkrankungen der Koronararterien, zu einer Verbesserung des krankheitsspezifischen Wissens geführt haben Die Pateinten wurden auch dazu veranlasst hat, aktiver am Heilungsprozess mitzuwirken. Selbst Patienten mit einer geringen Gesundheitskompetenz konnten aufgrund der angebotenen Maßnahmen profitieren.

 

Quelle: Eckman et al. (2012). Impact of health liteacy on outcomesand effectiveness of an educational intervention in patients with chronic diseases. Patient Educ Couns 87(2):143-51

 

Studie 2: Gesundheitskompetenz: Die Lücke zwischen Ärzten und Patienten

Die meisten Erwachsenen verfügen über eine Lesestärke die in etwa acht Jahre Schulausbildung entspricht (eighth-grade level). Zirka 20 Prozent wiederum lesen auf oder sogar unter einer Stufe die einer fünfjährigen Schulausbildung entspricht! Eine Vielzahl der angebotenen gesundheitsrelevanten Informationsmaterialien setzen aber zumindest 10 Schuljahre voraus. Besonders betroffen sind aber die älteren Menschen, diese sind durch ihre verminderten Hör-, Lese- und kognitiven Fähigkeiten zusätzlich eingeschränkt. Eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz kann dazu führen, dass Gesundheitsdienstleistungen nicht im vollen Umfang zugänglich sind, den Anweisungen von Gesundheitsexperten nicht richtig gefolgt werden kann und die verschriebene Medizin nicht ordnungsgemäß eingenommen wird.

 

Patienten verstehen die medizinischen Anweisungen besser, wenn langsam, sehr einfache Wörter verwendet und nicht zu viele Informationen bereitgestellt werden. Um das Optimum einer Beratung herauszuholen und eine gute Mitarbeit („Compliance“) zu erreichen, empfiehlt es sich, dass das medizinische Informationsmaterial nicht mehr als sechs Schuljahre abverlangt. Zudem sollten passende Bilder und andere Formen der Darstellung verwendet werden. Patienten bevorzugen somit eine einfache und kurzgefasste Sprache. Vor allem Mediziner sollten auf diesen Umstand hingewiesen werden, denn Patienten sind nur selten bereit, zuzugeben, dass sie eine geringe Gesundheitskompetenz besitzen und somit Probleme mit dem Verständnis haben.

 

(Quelle: Safeer RS & Keenan J (2005). Health Literacy: the gap between physicians and patients. Am Fam Physican 72(3):463-8.

 

Studie 3: Der Einsatz der Gesundheitskompetenz und maßgeschneiderten Lernunterlagen zur Optimierung des Zugangs zu Gesundheitsinformationen.

Wenn Personen wenig vom eigenen Bluthochdruck verstehen, so geht das vielfach mit einem schlechteren Gesundheitszustand einher. In zwei Studien wurde nun untersucht, ob anhand der einfachen Bereitstellung von Informationen (auf dem Niveau der vorhandenen individuellen Gesundheitskompetenz) oder im Zusammenspiel mit den patientenbezogenen Lernmustern ein wesentlicher Unterschied liegt.

 

Teilnehmer, bei denen der Lernstiel und das vorhandene gesundheitsrelevante Wissen (Gesundheitskompetenz) berücksichtigt wurde, hatten einen größeren Wissensgewinn als jene Personen, die nur die maßgeschneiderten Informationen erhielten.

 

(Quelle: Giuse et al. (2012). Using health literacy and learning style preferences to optimize the delivery of health information. J Health Commun 3:122-40.

 

Anmerkung zu den übersetzten Studien: Falls Sie darauf Bezug nehmen möchten, so empfehle ich, die Studien noch einmal im Original zu studieren. Die Quellen sind angegeben.

 

 Studie 4: Health Literacy programs for older adults: a systematic literature review.

Overall,the selected articls demonstrated positive outcomes in supporting the health literacy skills in older adults. However, there are limitations in study designs and evaluation measures and outcomes of the programs remain unknown in demostration long-term impact in supporting health literacy skills.

 

Studien die das CDC empfiehlt (Update):

The role of pictures in improving health communication: A review of research on attention, comprehension, recall, and adherence. (2006)External Web Site Icon
Assessing oral literacy demand in genetic counseling dialogue: Preliminary test of a conceptual framework. (2007)External Web Site Icon.
The effect of format modifications and reading comprehension on recall of informed consent information by low-income parents: A comparison of print, video, and computer-based presentations. (2004)External Web Site Icon
Gesundheitsrelevante Informationen/Angebote enthalten oft Zahlen. Diese müssen entsprechend verstanden werden können. (Studies find narratives can lead to cancer-relevant belief and behavior change (Green, M.C., 2006External Web Site Icon) and to be more effective than statistical evidence on some patient outcomes (Mazor et al., 2007External Web Site Icon) sowie Hinyard, L.J. & Kreuter, M.W. (2007). Using Narrative Communication as a Tool for Health Behavior Change: A Conceptual, Theoretical, and Empirical OverviewExternal Web Site Icon).
Da Leser immer nur einen kleinen Teil der gelesenen Informationen dauerhaft speichern können, wurde dieses Papier verfasst. See Chapter 5External Web Site Icon from Doak, Doak, & Root, 1996, Teaching Patients with Low Literacy Skills for an example of how to chunk information. Interessant ist auch George A. Miller’s classic article on recallExternal Web Site Icon.
Communicating Risks and Benefits: An Evidence-based User's GuideExternal Web Site Icon
Risky feelings: Why a 6% risk of cancer does not always feel like 6%External Web Site Icon, p. S92
How numeracy influences risk comprehension and medical decision makingExternal Web Site Icon, p. 957
Health literacy interventions and outcomes: An updated systematic review External Web Site Icon , p. ES-7.

 

Das ist nur ein kleiner Auszug aus der wissenschaftlichen Literatur. Es soll aber jenen Personen, die am Health Literacy Ansatz zweifeln, zeigen, dass es durchaus Sinn macht, hier weitere Aktivitäten zu starten. Vermutlich ist die Vermittlung von Wissen an eine ganze Gruppe von interessierten Personen über einen längeren Zeitraum hinweg billiger, als eine einzige große Operation mit nachfolgender Rehabilitation.

Präventionsmaßnahmen machen durchaus Sinn.

 

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