01/02/2016

Zahlenangaben, die wir nur selten verstehen

Ständig sind wir mit Zahlen in unterschiedlichen Bereichen unseres täglichen Lebens konfrontiert. Aufmerksamkeit erregen Prozentangaben vor allem dann, wenn es um Preisnachlässe im Supermarkt geht oder wenn der Nachrichtensprecher die Regenwahrscheinlichkeit für das Wochenende angibt. Zahlenangaben sind aber auch im Gesundheitsbereich für uns von großer Bedeutung – überhaupt dann, wenn uns ein größerer Eingriff bevorsteht und wir den daraus resultierenden Nutzen und den möglicherweise daraus entstehenden Schaden (Nachteil) gegeneinander abwiegen müssen.Verstehen von Zahlenangaben

In meisten Fällen greifen wir hierbei aber auf den Rat unseres Vertrauensarztes zurück und hinterfragen die Angaben nicht. Wer es aber genau wissen möchte, der sollte sich einmal die Zeit nehmen und sich die numerischen Zahlenangaben ansehen mit denen ein möglicher Nutzen oder Schaden dargestellt werden. Ein Beispiel gefällig? „Therapie X senkt im Gegensatz zu Therapie Y das Risiko von Komplikationen um 35 Prozent. Klingt doch gut, oder? Oft werden für derartige Vergleiche relative Wahrscheinlichkeiten herangezogen – eine Angabe, die selbst Experten nicht immer problemlos richtig interpretieren können. Gesundheitsinformationen und Zahlenangaben haben aber nur dann einen Wert, wenn sie von jedem verstanden werden können. Eine Forderung, die leider nicht immer erfüllt wird. Angaben, die nicht verstanden werden sind nicht nur nutzlos, sondern können auch als gewollte Fehlinformation oder beabsichtigte Täuschung verstanden werden. Das Harding-Center in Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, Zahlenangaben für alle verständlicher werden zu lassen. Zahlenangaben, die zwar richtig sind, aber doch eine Verzerrung der Wirklichkeit bedeuten. Als Beispiel wird in diesem Zusammenhang eine ehemalige Kampagne zum Mammographie-Screening (Brustkrebsvorsorgeuntersuchung) angeführt.

Geworben wurde mit dem Slogan, dass die Mammographie das Risiko an Brustkrebs zu sterben um rund 25 Prozent senke. An dieser Stelle wird weniger auf den wirklichen Nutzen einer solchen Untersuchung eingegangen, sondern vielmehr auf die Zahlenangabe an sich. Der angegebene Prozentsatz selbst deckt sich zwar mit der jeweiligen herangezogenen wissenschaftlichen Literatur, wird aber von den Menschen in der Praxis unterschiedlich wahrgenommen. Eine große Anzahl von Menschen glaubt, dass wenn 1000 Frauen an der Mammographie teilnehmen, 250 weniger an Brustkrebs versterben. Würde die Zahlen verständlicher dargestellt werden, so würde es weniger Verwirrung geben. In Wirklichkeit bedeutet die 25 Prozentangabe aber folgendes: Wenn 1000 Frauen über einen Zeitraum von 10 Jahren regelmäßig an der Mammographie teilnehmen, so kann damit das Risiko an Brustkrebs zu sterben von 4 auf 3 gesenkt werden. Die relative Wahrscheinlichkeitsangabe resultiert somit aus dem Unterschied zwischen 4 (sind in diesem Fall die 100 Prozent) und 3 (stellen 75 Prozent von 4 dar). In absoluten und leichter verständlichen Zahlen wurde somit eine (1) Frau und nicht 250 Frauen pro 1000 vor dem Tod durch Brustkrebs gerettet.

Lassen Sie sich in Zukunft von Prozentangaben nicht länger täuschen. Als gesundheitskompetenter Bürger sollten Sie immer nachfragen, wenn etwas unklar geblieben ist. Haben Sie den Mut und fragen Sie nach einer Zahlenangabe in absoluten Zahlen nach, denn auf diese Weise können Sie laut Dr. Wegwarth vom Harding-Center eine bessere Vorstellung darüber bekommen, was Sie tatsächlich erwartet. Eine bereits zu diesem Thema stattgefundene Veranstaltung auf der Urania in Graz hatte nicht nur für viele AHA-Erlebnisse gesorgt, sondern hoffentlich auch für ein besseres Verständnis von Zahlen, die uns täglich umgeben.

 

Quelle:

http://www.sylvia-saenger.de/

https://www.harding-center.mpg.de/de

 

Letzte Änderung am 11/11/2018

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