3.1 So bereitet sich der Experte vor

3.1 So bereitet sich der Experte vor

Grundsätzlich gelten die gleichen Empfehlungen wie in einem normalen Gespräch unter Freunden. Vermeiden Sie alle ungewollten Störungen wie beispielsweise Fragen durch Mitarbeiter oder Telefonate. Achten Sie zudem darauf, dass die Umgebung in der das Gespräch stattfinden wird, vom Patienten als angenehm und nicht einschüchternd empfunden wird. Falls Sie zusätzliche Informationen über Ihren Computer beziehen müssen, dann sollte der Blick nicht auf den Bildschirm fixiert bleiben – Menschen und vor allem Ratsuchende brauchen schließlich den direkten Blickkontakt.

Die zuständige Person für die Terminvergaben ist angehalten, Wert darauf zu legen, dass wenn längere Gespräche zu erwarten sind, diese nicht unbedingt zu Zeiten mit der höchsten Patientenfrequenz stattfinden. Es wäre sonst zu befürchten, dass jene Patienten, die dann länger warten müssen, unruhig werden. Längere Beratungsgespräche sind dann zu erwarten, wenn beispielsweise schlechte Nachrichten überbracht werden müssen oder es sich um Ratsuchende handelt, die viele Fragen stellen.

Wie kann der Arzt einen Patienten zusätzlich unterstützen?

Sehr viel kann dadurch erreicht werden, dass sich der Experte die Zeit nimmt, bis der Patient mit seinen Ausführungen fertig ist. Durchschnittlich dauern die Erzählungen des Patienten, sofern er nicht unterbrochen wird, rund 90 Sekunden. Die Praxis hat aber gezeigt, dass die Patienten durchschnittlich nach 19 Sekunden bereits das erste Mal unterbrochen werden.

Weitere Maßnahmen können sein:

  • Verstehen, welche Erwartungen der Patient in den Arztbesuch gelegt hat.
  • Verständnis für die Bedürfnisse und Erwartungen zeigen.
  • Den Patienten aktiv dazu einladen, Fragen zu stellen.
  • Wesentliche Inhalte mehrmals wiederholen, damit sich der Patient diese besser einprägen kann.
  • Den Patienten darauf hinweisen, sich gelegentlich Notizen zu machen.
  • Dem Patienten bebilderte und schriftliche Unterlagen mitgeben.
  • Literaturquellen oder andere Ansprechpersonen (z.B.: Selbsthilfegruppen) nennen.
  • Den Patienten empfehlen, eine Zweitmeinung zur Absicherung einzuholen.
  • Den Patienten für ihn wesentliche Inhalte wiederholen lassen, damit klar wird, dass der Patient alles richtig verstanden hat (Teach-Back-Methode).
  • Den Patienten aktiv dazu einladen, eine weitere Vertrauensperson hinzuziehen.

Je besser sich ein Patient in den Behandlungsprozess eingebunden fühlt und versteht, warum das Gesagte für ihn wichtig ist, desto eher stellt sich der gewünschte Therapieerfolg ein.

 

Wie kann der Experte dabei helfen das Verständnis zu verbessern?

  • Vor allem durch die Bereitstellung dessen, was der Patient wünscht und braucht.
  • Verwendung einer einfachen Sprache – langsam sprechen und keine Fremdwörter verwenden.
  • Während dem Gespräch Bilder / Diagramme zeigen oder Skizzen anfertigen.
  • Schriftliche Unterlagen zur Verfügung stellen.

 

Die Vorteile einer funktionierenden und guten Kommunikation sind (24):

  • Aufbau eines grundlegenden Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patienten.
  • Verbesserte Verständlichkeit der angebotenen Informationen auf Seiten des Patienten.
  • Zunehmende Patientenzufriedenheit.
  • Der Patient wird noch stärker in die gemeinsame Entscheidungsfindung eingebunden.
  • Hilft dem Patienten dabei, in Zukunft noch bessere gesundheitsrelevante Entscheidungen zu treffen.
  • Der Patient bekommt ein besseres Gefühl und Verständnis dafür, was die moderne Medizin bewerkstelligen kann.
  • Die Wahrscheinlichkeit von Behandlungsfehlern nimmt durch die Mithilfe des Patienten am Behandlungsprozess ab.

 

Die Auswirkungen einer schlechten Kommunikation:

  • Die Zufriedenheit und das Vertrauen in die vorherrschende medizinische Versorgung (Gesundheitssystem) nehmen ab.
  • Der Patient legt nicht alle für den Behandlungsprozess relevanten Informationen offen.
  • Löst beim Patienten zusätzlichen Stress aus.
  • Der Patient ist weniger bereit, sich weitere medizinische Hilfe zu suchen.
  • Führt zu mehr Missverständnissen.
  • Medizinische Anweisungen werden nicht richtig verstanden und dementsprechend falsch ausgeführt.
  • Beschwerden nehmen zu und Nebensächlichkeiten gewinnen zunehmend an Bedeutung.

 

Gründe, warum von Medizinern oder medizinischem Personal eine schlechte Kommunikation ausgeht:

  • Im Zuge ihrer Ausbildung wurden sie darauf nur unzureichend vorbereitet.
  • Fehlendes Einfühlungsvermögen für die Lage des Patienten.
  • Dem Patienten wird keine eigene Autonomie zugetraut oder zugebilligt.
  • Nicht darüber bewusst, dass Menschen mit anderer Sprache oder Kultur einen anderen Zugang benötigen.
  • Bedingt durch Zeitdruck.
  • Als Ablenkung von externen oder persönlichen Gründen.

 

Warum Patienten nicht in der Lage sind, eine gute Kommunikationsbasis zu schaffen:

  • Der Patient wird durch seinen Zustand, Krankheit oder Medikation negativ beeinflusst.
  • Gefühlsmäßig aufgrund des gesundheitlichen Zustandes nicht dazu in der Lage.
  • Aufgrund fehlender Erfahrungen nicht in der Lage die Symptome zu identifizieren und zu beschreiben.
  • Aufgrund der ungewohnten Umgebung (z.B.: Arztpraxis) eingeschüchtert.
  • Eingeschüchtert durch den Status „Arzt oder Professor“ und weißen Mantel.
  • Verwirrt durch die medizinische Ausdrucksweise und die vorkommenden Fremdwörter.
  • Kein Interesse daran, sich selbst einzubringen oder eigene Fragen zu stellen.
  • Kann mit dem Zeitdruck nicht umgehen.

 

Teachers Info

Alexander Riegler, MPH, EMPH, BSc.

Alexander Riegler, MPH, EMPH, BSc.

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  • Experience: Expert
  • Website: www.alexanderriegler.at
  • Alexander Riegler, der Kompetenzentwickler, ist seit vielen Jahren als Dozent an verschiedenen Hochschulen und Fachhochschulen tätig. Seine Leidenschaft ist aber das Thema "Gesundheitskompetenz". Aus diesem Grund dreht sich auf dieser Homepage alles um dieses Thema. Gesundheitskompetenz? Ein uncooler Namen? Da stimme ich vollkommen zu....

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