5.1 Gesellschaftliche Faktoren

5.1 Gesellschaftliche Faktoren

Unsere sozialen Rahmenbedingungen nehmen in unterschiedlichen Formen Einfluss auf unsere Gesundheit. Neben diesen sind ebenfalls der genetische Einfluss und Lebensstil nicht zu vernachlässigen. Nachdem der genetische Code durch das Verhalten einer Person nicht beeinflusst werden kann, zielen Präventionsmaßnahmen oftmals auf eine Änderung des Lebensstils ab.

Umfangreiche Studien im Bereich der Sozialmedizin haben gezeigt, dass der Lebensstil die vermeidbare Sterblichkeit eines Menschen nur zu 10 Prozent beeinflusst. Wesentlich wichtiger sind die zuvor genannten gesellschaftlichen Faktoren. Dazu zählen vor allem das persönliche Einkommen, der Bildungsstand, die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz und der eigenen Wohnsituation und das soziale Netzwerk. Sind diese Dinge stark ausgeprägt und vorhandener Stress kann gut bewältigt werden, dann treten nachweislich seltener Erkrankungen auf.

Die Politik setzt vornehmlich auf die Eigenverantwortung (Gesundheitskompetenz), denn jeder kann seinen Teil dazu beitragen, fit zu bleiben und bekannte Risiken zu vermeiden. Außer Acht gelassen wird hierbei, dass nicht immer alles so einfach ist, wie wir es gerne hätten und es durchaus noch andere Einflussfaktoren gibt. Die bekannten Einflussfaktoren haben nicht auf jede Person die gleiche Wirkung - abhängig ist das vor allem von der jeweiligen Lebensrealität (Lebenssituation).

Wie bereits in einem der vorigen Kapitel beschrieben kann es beispielsweise sein, dass bei gleichem Tabakkonsum Raucher mit einem geringeren Einkommen früher sterben als Raucher mit einem hohen Einkommen. Wohl gemerkt, der Rauchkonsum ist gleich! Woran kann das liegen? Möglicherweise wohnt der Raucher aufgrund seines geringen Einkommens an einer stark befahrenen Straße und atmet dadurch noch mehr Feinstaub ein. Die Vergleichsperson wiederum ist im oberen Management tätig und hat ein kleines Häuschen am Land, fern ab von jedem Verkehr.

Selbst das Immunsystem kann durch unsere gesellschaftliche Stellung beeinflusst werden. Aktive Freundschaften und viele soziale Kontakte aktivieren und stärken das Immunsystem. Glück und Zufriedenheit bringen somit eine gewisse Gesundheit mit sich. Ständiges Selbstmitleid und Isolation wiederum wirken gegenteilig.

Wissenschaftler haben einen weiteren wichtigen Einflussfaktor analysiert - es die Postleitzahl! Menschen die in den Bezirken leben, die als wohlhabender eingestuft werden, leben länger als Personen in den ärmeren Bezirken. Die Gründe dafür ergeben sich aus den bereits oben genannten Gründen (Einkommen, Stellung usw.).

Initiativen die sich für mehr Sport oder den gesunden Apfel einsetzen sind zwar lobenswert aber nicht Ihre Freikarte zu einem längeren Leben. Wenn Sie sich daran beteiligen, so wird es nicht Ihr Nachteil sein, jedoch auch kein übermäßiger Gewinn. Initiativen müssen darauf abzielen, die Lebensumstände der Betroffenen zu verbessern. Das können diese aber aufgrund der komplexen Anforderungen nur sehr selten!

Es muss somit im Interesse jeder einzelnen Person liegen, die eigene Lebenssituation und die der Familie nachhaltig zu verbessern. Der Spruch: „An apple a day keeps the doctor away“ verliert hier an Bedeutung.

Unserer aktuellen Gesundheitsreligion folgend, möchte jeder von uns fit bis ins hohe Alter bleiben. Dieses Bestreben ist grundsätzlich nicht zu verurteilen, wir müssen uns aber darüber bewusst sein, dass die genetische Ausstattung eines jeden Menschen wesentlich dafür ist, wie alt eine Person wird. Es steht außer Frage, dass auch andere Faktoren einen Einfluss haben.

Viele Menschen haben heute bereits einen Lebensstil gewählt, der auf die reine Vorbeugung  von Krankheiten (Präventionsgedanke) abzielt.

In Deutschland wird in Kürze ein Präventionsgesetz in Kraft treten, dieses möchte die Deutschen in gewisser Weise dazu zwingen, gesund zu sein / zu werden / zu bleiben. Wenn wir aber davon ausgehen, dass die Gesundheit das höchste Gut ist, dann müssen wir die Gesundheitspolitik daran ausrichten und alles unternehmen, damit dieses Ziel erreicht werden kann. Das ist dann aber mit hohen Ausgaben verbunden. Ist dieses Ziel aber überhaupt erreichbar und erstrebenswert? Ist die Politik nicht eigentlich eine Kunst des Abwägens? Haben wir einen falschen Gesundheitsbegriff?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat laut einer älteren Definition (1948) Gesundheit wie folgt definiert:

 

„Gesundheit ist der Zustand umfassenden

körperlichen, psychischen und sozialen

Wohlbefindens und nicht nur das Freisein

von Krankheit und Gebrechen“

 

Ein Gesundheitsbegriff in dieser Definition regt vor allem ökonomische Interessen an, denn wäre Gesundheit in der beschriebenen Form wirklich erreichbar, so kann bei der Erreichung durch entsprechende Hilfestellungen gutes Geld verdient werden.

Schon der griechische Philosoph Epikur trat für eine Bedürfnisbefriedigung ein, jedoch unter dem Vorbehalt, dass dies unter Einhaltung eines gewissen Maßes geschieht.

Im Sinne von Public Health wird oft von verlorenen gesunden Lebensjahren gesprochen. Chronische Krankheiten und Schmerzen reduzieren die gesunde Lebenszeit. Diese Berechnungen machen Sinn und erhöhen die Vergleichbarkeit von Lebenserwartungen in unterschiedlichen Bevölkerungen (z.B.: Staatenvergleiche). Sollen wir unser Leben aber der Aufgabe widmen, möglichst viele gesunde Lebensjahre zu erreichen und dafür unsere gesamte Aufmerksamkeit der Vermeidung jedes noch so kleinen Risikos widmen? Mediziner werden noch immer oft als Halbgötter verehrt, Diätbewegungen gehen wie wellenförmige Massenbewegungen durchs Land und die Fitnesstempel erfreuen sich über regen Zuwachs. Inzwischen haben die Fitnessstudios mehr Zulauf als die Sonntagsmesse in Deutschland.

Es kann nun natürlich darüber diskutiert werden, welchen Einfluss das eigene Verhalten und der Lebensstil an sich auf die Lebenserwartung haben kann. Zusammenfassend kann aber gesagt werden, je mehr negativen Risikofaktoren wir uns aussetzen, desto eher haben wir (negativen) Konsequenzen zu rechnen.  Wenn von Risiken gesprochen wird, so fällt vielen zumeist das Rauchen von Zigaretten ein. Es ist mittlerweile bekannt und bewiesen, dass Rauchen die Entstehung von Lungenkrebs begünstigt. Begünstigt heißt aber nicht zwangsläufig, dass jeder Raucher Lungenkrebs bekommt, gleichzeitig kann aber auch ein Nichtraucher Lungenkrebs bekommen. Wie ist das möglich? Warum kann jemand sein Leben lang rauchen und nicht erkranken. Hier kommen wieder die Wahrscheinlichkeiten ins Spiel. Je intensiver der Konsum ausfällt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand erkrankt. Mit anderen Worten. Würden wir zwei gleich große Gruppen von Personen haben, die sich nur in ihrem Rauchverhalten unterscheiden, so wird es mit einer ziemlich großen Sicherheit mehr Lungenkrebsfälle in der Gruppe der Raucher geben. Die zufällige Aufteilung von Personen in eine Gruppe wird in der Fachsprache als Randomisierung bezeichnet. Randomisierte kontrollierte Studien haben eine hohe (statistische) Aussagekraft.

 

Teachers Info

Alexander Riegler, MPH, EMPH, BSc.

Alexander Riegler, MPH, EMPH, BSc.

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  • Experience: Expert
  • Website: www.alexanderriegler.at
  • Alexander Riegler, der Kompetenzentwickler, ist seit vielen Jahren als Dozent an verschiedenen Hochschulen und Fachhochschulen tätig. Seine Leidenschaft ist aber das Thema "Gesundheitskompetenz". Aus diesem Grund dreht sich auf dieser Homepage alles um dieses Thema. Gesundheitskompetenz? Ein uncooler Namen? Da stimme ich vollkommen zu....

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